Achtsamkeit,  Lieblingsleben

Großartige kleine Mentoren

Wie Kinder uns die einfachsten Dinge des Lebens lehren

Nein – um Gottes Willen nicht noch ein Mami-Blog! Aber es bleibt nicht aus, dass ich, wenn ich über Glück, Dankbarkeit, Achtsamkeit und Lebensliebe schreibe, auch über meinen Sohn Ju erzählen muss. Denn er ist mein Alltagsheld, mein kleines, großartiges Vorbild, meine absolute Lieblingsnervensäge und mein Achtsamkeits-Coach. Er zeigt mir täglich, dass Kinder so herrlich „leichtsinnig“ durch ihr Lieblingsleben schlendern, ausschließlich im hier und jetzt leben, alle Gefühle wie Freude oder Enttäuschung selbstbewusst und hemmungslos ausleben und sich das Beeilen im Alltag, in dem man der Zeit hinterherrennt, ganz und gar nicht lohnt.

„Ju, mein Spatz… kommst Du jetzt bitte?“
Ich bin schon mindestens fünfzehn Schritte voraus und drehe mich um. Ju hockt auf dem Bürgersteig und beobachtet, wie am Wegesrand eine Ameise eine Pusteblume hinaufklettert. Die Faszination steht ihm ins Gesicht geschrieben. Ihn interessiert gar nicht mehr, wo wir eigentlich hingehen wollten oder was wir überhaupt vorhaben. Er denkt nicht darüber nach, was vor 5 Minuten oder gar einem Tag war. Der Faktor Zeit spielt sowieso überhaupt keine Rolle. Herrlich oder? Er ist einfach im hier und jetzt und genießt den Moment so wie er eben gerade ist. „Enjoy the moment“ oder „Enjoy the little things“ – diese Sprüche kann man sich als bedruckte Postkarten an die Pinnwand hängen, oder sie eben voll und ganz leben und genießen – so wie Ju im Ameisen-Pusteblumen-Augenblick.

Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.

Pippi Langstrumpf

So viele wundervolle Dinge und Eigenschaften haben Kinder einfach in sich. Diese erleichtern das Leben ungemein. Viele davon werden uns aber im Laufe des Lebens abgewöhnt. Das ist sehr schade und häufig auch nicht gesund. Natürlich können wir Erwachsenen uns im Alltag nicht komplett gehen lassen, uns zum Beispiel brüllend auf den Boden werfen, wenn uns etwas nicht passt oder den Kollegen vom Stuhl schubsen, weil der im Meeting ne bessere Idee hatte, als man selbst.

Ich habe mir im Laufe meines „Mamaseins“ allerdings ein paar Kleinigkeiten bei meinem Sohn abgeguckt, die mir wirklich gut tun und mein Lieblingsleben noch ein bisschen schöner und einfacher machen.

Achtsam essen

Mein Sohn ist eine kleine Fressraupe und dabei noch ein absoluter Genießer. Er macht bis heute wohlige „mmmh“-Geräusche beim Essen und lässt sich Zeit. Aber auch bei anderen kleinen Kindern, die weniger gut oder schneller essen ist mir immer Eines aufgefallen: Sie essen. Schauen umher. Trinken einen Schluck und essen. Sonst nichts. Kein Buch daneben, kein Fernseher läuft und oft wird auch gar nicht so viel gesprochen. Also kaum Ablenkung. Achtsames Essen nennt man so etwas heute. Es gibt mittlerweile Seminare, bei denen Erwachsene tatsächlich diese Fähigkeit trainieren oder sogar neu erlernen. Klingt verrückt? Ist aber so.

Wer kennt das nicht? Im Alltag essen wir viel zu oft einfach so nebenbei. Damit es schneller geht oder weil wir meinen, uns dabei berieseln oder unterhalten lassen zu müssen. Ich habe beispielsweise früher im Büro fast immer neben dem Essen weiter am PC gearbeitet. Teilweise habe ich mich erschrocken, wenn der Teller plötzlich leer war. Denn mir ist dann aufgefallen, dass ich gar nicht bewusst wahrgenommen habe, wie meine Mahlzeit überhaupt geschmeckt hat. Das hat mich dann total unzufrieden gestimmt und häufig habe ich mich auch gar nicht richtig satt gefühlt.

Das heißt nicht, dass Du bei einem gemütlichen Couch-Abend nicht auch mal Pasta und Weinchen parallel genießen oder ein Brötchen bei der Autofahrt verdrücken kannst. Ich bin ja immer ein Freund von „alltagstauglich und realistisch muss es sein“. Du solltest Dir also ab und zu mal eine Genießer-Zeit gönnen: Trink Deinen Milchkaffee morgens mal ohne Smartphone in der Hand, ohne Nachrichten im Radio und ohne Zeitschrift oder Musik (bestenfalls auch ohne ein quakendes Kind neben Dir 😉 ). Oder iss Deinen Riegel Lieblingsschokolade mal mit geschlossenen Augen und ohne TV-Programm. Man nimmt das Essen und Trinken wirklich ganz anders wahr und hat viel mehr Freude daran.

Selbstbewusstsein und groß denken

„Mama, guck mal wie toll ich diesen Turm gebaut habe!“ „Ich kann auch auf der ganz hohen Mauer balancieren.“ „Ich kann schon super schießen.“

Kindermund tut Wahrheit kund. Kinder wissen einfach, was sie gut können und toll gemacht haben. Sie trauen sich sehr vieles zu. Ob realistisch oder unrealistisch – das existiert in ihrer Welt gar nicht. Und das ist doch großartig! Kleine Kinder haben keine Ängste aufgebaut und zögern nicht, ihre Träume leben zu wollen. Sie haben noch keine verinnerlichten Glaubenssätze, die ihre Gedanken und Taten limitieren (zum Beispiel „Dazu hast Du gar kein Talent.“, „Dafür bist Du noch zu klein.“ „Das ist nichts für Dich.“ „Es gibt viele andere, die das wesentlich besser können als Du.“)

Daraus habe ich einige Erkenntnisse gewonnen: Ich lasse mein Kind genauso sein, wie es eben ist.  Im Kinderzimmer hängt über Ju‘s Bett eine kleine Leinwand auf der steht „MACH DEIN DING“. Und das meinen wir als Eltern auch exakt so und möchten ihn auf keinen Fall mit klugen Erwachsenensprüchen- und zweifeln einschränken. Ob Maurer oder Anwalt, ob Verkäufer oder Restauranttester, ob Alpaka-Züchter oder Geburtshelfer, ob hetero- oder homosexuell, ob religiös oder eben nicht. All das spielt keine Rolle, wenn das Kind seiner Leidenschaft nachgeht und auf Herz und Bauch hört. Denn nur so bekommt es einen starken Charakter und muss sich für niemanden verbiegen oder Idealen entsprechen.

Aber zurück zu uns Erwachsenen: Von den kleinen Mentoren können wir im Bereich Selbstbewusstsein und groß denken viel lernen. Wenn wir etwas besonders gut gemacht haben und auch selbst damit zufrieden sind, warum teilen wir dies so selten mit? Beziehungsweise sind dabei oft so unglaublich bescheiden und zaghaft? Ich nehme mal mich selbst als schönes Negativbeispiel: Ich schreibe jetzt gerade diesen Blog-Beitrag. Was mache ich, wenn ich am Ende damit zufrieden bin und ihn online stellen? Ich teile zögerlich einer Freundin mit, dass da jetzt ein neuer Beitrag von mir online ist, und ob sie vielleicht – nur wenn Zeit ist – mal reinschauen könne, um mir mitzuteilen, was sie davon hält, bevor ich auf Instagram die zugehörige Info veröffentliche.
Unsere kleinen Mentoren dagegen, handeln nach Herz und Bauchgefühl und hätten eine viel bessere Formulierung gewählt: „Ich habe einen richtig tollen und interessanten Blog-Beitrag geschrieben. Du musst ihn unbedingt lesen und mir sagen, was Dir daran am besten gefällt.“

Wir haben immer so viel Angst davor, nicht bescheiden genug zu sein und zu überheblich zu klingen. Eine kleine Übung für mehr Authentizität und Selbstbewusstsein: Versuche nach Deiner nächsten Shoppingtour doch mal nicht wie ein Erwachsener zu sprechen: „Gut, dass ich diese Hose gefunden habe. In allen anderen Modellen sah ich viel zu dick aus.“, sondern wie ein Kind: „Schau mal. Ich hab ein neues T-Shirt. Steht mir gut, oder?“

Erlebnisorientiert statt ergebnisorientiert

Kinder sind erlebnisorientiert. Erwachsene sind ergebnisorientiert.

aus dem Buch „Fokus“

Kleine Kinder gehen mutig und ohne große Zweifel durch diese Welt, um sie zu erforschen. Sie möchten möglichst viel entdecken und sind kleine wundervolle Lebensmomente-Sammler. Wir erleben sie als Baumkletterer, Pfützenspringer, Karussell-Cruiser, Kuckuck-Spiel-Fans, Erbsenzähler, Planschbecken-Eroberer, Tierbeobachter, Supermarkt-Tänzer und Naschkatzen. Sie leben, lieben und genießen. Sie lachen laut, sie schmeißen sich wütend auf den Boden, sie fragen hemmungslos – ganz egal, was andere von ihnen denken. Sie haben reine Seelen, die keinen Pflichterfüllungen hinterherlaufen, Normen entsprechen möchten oder zum Ziel haben, möglichst anpassungsfähig zu sein. Glücklich sein, statt krampfhaft nach dem Glück zu suchen – dies haben sie verinnerlicht. Sie warten nicht auf die Zukunft, sondern sind bereits mittendrin, sie zu gestalten.

Bollys Bilanz

Lieber Ju,

ich liebe es mit Dir im Supermarkt zu tanzen, wenn unsere Musik läuft. Ich liebe es, wenn Du fremde Menschen hemmungslos nach ihrem Namen, Alter und gern auch nach der Adresse fragst. Ich liebe es, dass Du Deinen Gefühlen immer freien Lauf lässt (naja… vielleicht nicht wirklich immer 😉). Ich liebe, dass Du niemandem gefallen willst und Dein Ding machst.

DANKE, dass ich diese kunterbunte Welt nun auch durch Kinderaugen sehen kann, dass ich mich durch Deine wundervolle Chillkröten-Mentalität nicht mehr so stressen lasse und auf das Wesentliche fokussiere, dass ich das Leben leicht nehme, auch wenn es das nicht immer ist, dass ich nicht mehr überlege, was andere über mich und mein Verhalten denken könnten und dass ich jedem Tag die Chance gebe, der Beste meines Lebens zu werden.

AugeAugeNaseNaseKüssi,
Deine Lieblingsmama

Bollys Brainfood, Lieblingszitate

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